Positionspapier:

Struktureller Wandel durch Kultur- und Kreativwirtschaft – Zukunftsregion Lausitz positiv gestalten

Unsere Definitionen:

  1. Bundesdeutsche Definition der Wirtschaftsbranche
  2. Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor wirschaftlichen Wandels
  3. Bedeutung für die Lausitz
  4. Lausitzer Strukturwandel mit Kultur- und Kreativunternehmen erfolgreich gestalten
    4.a Neue kreative Wirtschaftskraft für die Lausitz
    (Innenwirkung)
    4.b Neue Wertschöpfung für die Zukunftsregion Lausitz
    (Außenwirkung)
    4.c Neue Vermarktungskompetenz für die Lausitz im
    Wettbewerb der Regionen (Innen- und Außenwirkung)

1. Bundesdeutsche Definition der Wirtschaftsbranche¹

Die Kultur- und Kreativwirtschaft beschreibt den marktwirtschaftlichen Teil des Kultur- und Kreativsektors, der privatwirtschaftlich organisiert und unternehmerisch orientiert ist. Die erfassten Branchen sind Architekturmarkt, Software-/Gamesindustrie, Werbemarkt, Pressemarkt, Designwirtschaft, Buchmarkt, Kunsthandwerk, Musikwirtschaft, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft sowie der Markt für Bildende und Darstellende Kunst. Die Kultur- und Kreativwirtschaft unterscheidet sich vom öffentlichen Teil des Kultursektors (z.B. öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Museen, Theater) und dem intermediären Teil (z.B. soziokulturelle Vereine). Deutschlandweit sind 1,2 Millionen Kernerwerbstätige und über 500.000 geringfügig Beschäftigte in den zwölf Teilbranchen tätig und erwirtschaften jährlich eine Bruttowertschöpfung von 100,5 Milliarden Euro. Damit liegt die Kultur- und Kreativwirtschaft im Vergleich hinsichtlich der Bruttowertschöpfung weit vor anderen bedeutenden Branchen wie etwa der Energieversorgung (47,9 Mrd. Euro), der Chemischen Industrie (50,6 Mrd. Euro) und ist fast auf Augenhöhe mit dem Maschinenbau (107,1 Mrd. Euro). Zusätzlich verzeichnet die Statistik ein kontinuierliches Wachstum von jährlich 3% hinsichtlich der Bruttowertschöpfung und 4% hinsichtlich der sozialversicherungspflichtig Angestellten.

2. Kultur – und Kreativwirtschaft als Motor wirtschaftlichen Wandels

Die Arbeitsweise der zumeist hochqualifizierten Akteure ist im Vergleich zu anderen Branchen überdurchschnittlich netzwerkorientiert und innovationstreibend. Strukturwandelthemen wie Nachhaltigkeit und Regionalität sind selbstverständliche Bestandteile der Unternehmenskultur.

Zahlreiche Untersuchungen² belegen die positiven Effekte von Kreativunternehmen auf das gesamte wirtschaftliche und soziale Umfeld. Sie führen als Problemlöser zu Innovationssprüngen und erzeugen neue Wertschöpfungsketten. Ihre regionale Präsenz wirkt sich nachweislich in vielfältiger Weise auf so genannte weiche Standortfaktoren wie das Image einer Region oder ein breit gefächertes Freizeitangebot aus, die ein wichtiger Ansiedlungsaspekt für Fachkräfte anderer Wirtschaftsbereiche sind.³ Sie sind somit eine entscheidende Erfolgsdeterminante im dynamisch zunehmenden Wettbewerb mit europäischen Regionen und Ballungsgebieten um kreative und innovative Köpfe, die mit Transformationskompetenz und Interdisziplinarität Wirtschaft, Kultur und digitale Werkzeuge neu denken. In diesem Kontext kann die Lausitz durch eine strukturelle Verankerung der Kreativwirtschaft im geschichtlich einmaligen und historisch beispiellosen Veränderungsprozess eine Vorreiterrolle im europäischen Maßstab übernehmen und Potenziale für eine smarte Zukunftsregion mit neuer, nachhaltiger Wertschöpfung heben. Das ermöglicht zielgerichtete Investitionen in neue, zukunftsweisende Unternehmen, die für einen erfolgreichen Wandel ebenso effektvoll und bedeutend sein dürften wie die Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur.

3. Bedeutung für die Lausitz

Im sächsischen Teil der Lausitz werden aktuell rund 900 Unternehmen in diesem Sektor erfasst. Für den brandenburgischen Teil wurden allein für die kreisfreie Stadt Cottbus bereits im Jahr 2010 rund 230 Kreativunternehmen erhoben, für die weiteren vier Brandenburger Landkreise liegt aktuell kein Zahlenmaterial vor.
In der Lausitz sind Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft bereits heute als Innovationsmotor und Zukunftstreiber aktiv und sorgen durch branchenübergreifende Zusammenarbeit mit Tourismus, Handwerk, Industrie oder Logistik für die Entstehung neuer Wertschöpfungsketten. Kreativunternehmen zählen zu den wenigen „Hidden Champions“ und internationalen Playern der Region, die sich dynamisch in innovativen Zukunftsfeldern entwickeln. Gleichzeitig prägen Unternehmen der Kreativwirtschaft das Innen- und Außenbild der Region entscheidend – teils als Medienunternehmen mit hoher Qualität und Quantität in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, verbunden mit Produktion und Synergien bis zum regionalen und überregionalen Vermarkter für sämtliche weitere Wirtschaftsbranchen der Lausitz. Sie sind mit ihrem Know-how in Bereichen wie Software, Medien und Design Schlüssel für die Digitalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen aller Branchen.
Aktuell gibt es keine branchenübergreifende Sichtbarkeit und strukturelle Bündelung dieses Wirtschaftsfaktors für die Strukturwandelregion. Im anstehenden Veränderungsprozess haben weder Akteure der Wirtschaft noch das Management in der Strukturentwicklung einen transparenten Rückgriff auf die Problemlösungskompetenz und das Innovationspotenzial der Kreativunternehmen. Gleichzeitig gibt es keinen zentralen Ansprechpartner für die zahlreichen nischenorientierten Unternehmen in diesem Bereich.
Die geographische Lage, die Attraktivität der Landschaft und die reiche Innovationsgeschichte der Lausitz bieten den optimalen Nährboden für die Ansiedlung neuer Kreativunternehmen und den Ausbau bestehender Strukturen. Das Vorhandensein von bezahlbarem Raum und die Chance zum Aufbau neuer, zukunftsorientierter Unternehmen in einer sich völlig verändernden Wirtschaftsregion sind einzigartige Wachstums- und Ansiedlungsfaktoren für die Lausitz, die von einem institutionalisierten und akteursorientierten Management der Kreativwirtschaft am besten zielgruppenorientiert nach innen und außen kommuniziert werden können.

4. Lausitzer Strukturwandel mit Kultur- und Kreativunternehmen erfolgreich gestalten

Um die bestehende Kreativwirtschaft sichtbarer zu machen, branchenübergreifende Innovationsprozesse zu initiieren und neue Wertschöpfung in der Region zu initiieren und nachhaltig zu verankern, empfehlen wir die Einrichtung einer Netzwerkstelle als Bindeglied und Ansprechpartner für die Belange der Kultur- und Kreativwirtschaft einerseits und das Management der Veränderungsprozesse (Entwicklungsgesellschaften WRL und SAS, Länder, Bund)andererseits.

Die Netzwerkstelle soll den Strukturwandel der Lausitz in drei konkreten, messbaren Handlungsfeldern mitgestalten:

4.a Neue kreative Wirtschaftskraft für die Lausitz (Innenwirkung):

  • überregionale Sichtbarmachung der Kreativwirtschaft und ihrer Potenziale
  • Initiieren von Erfolgsclustern durch branchenübergreifende Formate (Innovationswerkstätten / Wettbewerbe / Messeformate)
  • Qualifizierung von Projekten der Kreativwirtschaft im Rahmen des Strukturwandels der Lausitz für die Ansprechpartner in den Entwicklungsgesellschaften/weitere Fördermittelgeber
  • zielgruppenorientierte Qualifizierung und Beratung von Branchenakteuren (Weiterbildungsformate / Fördermittelberatung),
  • Erhebung von lausitzweitem Zahlenmaterial zur Kultur- und Kreativwirtschaft
  • Transferstelle für Kommunikation der unternehmerischen Potentiale der lokalen Akteure in kommunale Strukturen sowie Wirtschafts- und Kulturfördereinrichtungen

4.b Neue Wertschöpfung für die Zukunftsregion Lausitz (Außenwirkung):

  • Vermittlung einer neuen Problemlösungskompetenz für alle Wirtschaftsbranchen in kreativen Innovations- bzw. Veränderungsprozessen
  • Begleitung von Raumentwicklungsprojekten (Inwertsetzung der Industriekultur, Inszenieren von Architektur- und Landschaftsräumen
  • Entwicklung neuer Wohn- und Arbeitsräume im Kontext
    nachhaltiger Baustoffe, Siedlungsformen etc.)
  • Unterstützung bei Digitalisierungs- und Arbeitsprozessen von Unternehmen und Institutionen mit direkter Anbindung an
    passende Problemlöser vor Ort
  • Unterstützung bei kreativen Veränderungsprozessen im Aufbau neuer Wirtschaftsmodelle und regionaler Wertschöpfungsketten

4.c Neue Vermarktungskompetenz für die Lausitz im Wettbewerb der Regionen (Innen- und Außenwirkung):

  • Abbildung der komplexen Wandlungsprozesse in zielgruppenorientierten Formaten
  • Kommunikation der Potentiale der Lausitzer Kreativwirtschaft über die Netzwerkstelle
  • Belebung und Ausgestaltung einer Regionalmarke für die Lausitz im Anschluss an den Leitbildprozess
  • Pflege, Betreuung und Vermarktung dieser Marke im Zuge eines akteursbasierten, breit gefächerten und partizipativen
    Prozesses

Auch für die Ansiedlung von neuen Kreativunternehmen ist das Vorhandensein eines regionalen Ansprechpartners ein wichtiger Faktor, denn die agile und projektorientierte Arbeitsweise braucht ein möglichst heterogenes Netzwerk an Produzenten und Dienstleistern, das einen niedrigschwelligen Zugang in die Region ermöglicht.

Die Netzwerkstelle muss bei einem lokalen Verband der Kultur- und Kreativwirtschaft angesiedelt werden, um die Möglichkeiten und Bedarfe niedrigschwellig und unternehmensorientiert abbilden zu können.⁶ Die Kompetenz für die Umsetzung der genannten Aufgaben erwächst aus der – zum Teil globalen – Vernetzung der Lausitzer Kreativunternehmen, die eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Perspektive auf die anstehenden Veränderungen ermöglicht. Die Adaption bereits bestehender Erfolgsmodelle und die Entwicklung regionalspezifischer Produkte und Dienstleistungen gehören zu den wichtigen Motoren zukunftsfähiger Prozesse. Das immense Potential der Lausitzer Kultur- und Kreativwirtschaft kann für den anstehenden Strukturwandel durch eine solche strukturelle Verankerung mit vergleichsweise überschaubaren Investitionen als zentrales Erfolgsmerkmal erschlossen werden.

Packen wir es an!

¹ Monitoringbericht der Kultur- und Kreativwirtschaft ²0¹⁹, BMWi (Hrsg)
² u.a. Kollaborationen zwischen Kreativwirtschaft und Mittelstand. Erfolgsfaktoren, Methoden und Instrumente. ²0¹⁶, Springerverlag (Hrsg)
³ u.a. Kurzstudie zu kommunalen Standortfaktoren, Deutsches Institut für Urbanistik (difu), 2017
⁴ Die Kultur- und Kreativwirtschaft in Cottbus. Analyse und Bewertung. btu Cottbus (Hrsg), 2012
⁵ Zweiter Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht für Sachsen, Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (Hrsg), 2019
⁶ Beispielprojekt KREATIVES SACHSEN des Landesverbands der Sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft

Positionspapier als PDF ansehen/herunterladen