Am Donnerstagabend, dem 21. Mai 2026, kamen Kreative, Selbstständige und Neugierige in Kamenz zusammen – in der Baderei Kamenz, einem Ort, den man sofort ins Herz schließen will, wenn man ihn gefunden hat. Über die kleine alte Haustür führte der Weg hinein in den Hinterhof, der auf Anhieb alle in seinen Bann zog. Die Atmosphäre sprach für sich: Hier haben zwei Menschen mit echtem Herzblut etwas Besonderes entstehen lassen. Das Wetter spielte mit, das frisch renovierte Loft stand bereit – und die Stimmung war von der ersten Minute an eine besondere.

Begrüßt wurden wir von Anna Hasselbach und Jan Eickhoff, Gründerpaar und Seele der Baderei, die uns gleich zu Beginn mitnahmen in die Geschichte ihres Hauses: was hier bereits entstanden ist, was noch kommen soll und mit welcher Haltung sie diesen Ort weiterentwickeln.

Man spürte: Hier entsteht etwas mit Wärme, Absicht und langem Atem.

TAKATAK No. 29 war eine Kooperation mit KREATIVES SACHSEN, dem wir sind dran : Verband und dem Frauennetzwerk Kamenz – Partnern, die das Thema des Abends nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich verkörpern.

Durch den Abend führte Christina A. Schindler – Architekturvermittlerin, zweifache Mutter, nebenberuflich selbstständig und Gründungsmitglied des wir sind dran : Verbands. Eine Moderatorin, die nicht nur den Rahmen hielt, sondern das Thema aus eigener Erfahrung kennt.

7×7: Sieben Minuten, sieben Menschen, sieben Realitäten


Unser bewährtes Präsentationsformat haben wir diesmal bewusst anders gewählt: Kein Beamer, keine Folien. Denn Vereinbarkeit von Familie und Selbstständigkeit ist ein persönliches Thema.

Das Podium war bewusst bunt gemischt. Vertreterinnen und Vertreter aus der Kreativwirtschaft, aber auch aus anderen Branchen. Selbstständige, Angestellte, Studierende. Frauen und Männer. Getrennt Erziehende, Alleinerziehende, gemeinsam Erziehende. Und: An diesem besonderen Abend waren Kinder herzlich willkommen – von null bis neun Jahre waren sie dabei. Gelebte Vereinbarkeit.

Sandra Kleine präsentierte »Business, Baby!« – das Mentoringprogramm des Impact Hub Dresden für Mütter auf dem Weg in die Selbstständigkeit. In einem kostenlosen, sechsmonatigen Programm begleitet Business, Baby! Frauen dabei, ihre Ideen ernstzunehmen, zu strukturieren und in ein tragfähiges Business zu verwandeln – jenseits äußerer Erwartungen, im eigenen Tempo. Bereits 60 Frauen haben das Programm durchlaufen. Mehr unter businessbaby.impacthubdresden.net.

Constanze Kresta
stellte »care:ativ« vor – ein Projekt des Landesverbands der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen, das Solo-Selbstständigen mit Care-Verantwortung konkrete Unterstützung bietet: individuelle Beratung, Vernetzung, Veranstaltungen und eine Informationsplattform. Ziel ist es, lebensphasenorientierte Karriereverläufe zu ermöglichen – für alle Geschlechter, die Betreuungsverantwortung tragen. Das Projekt läuft bis Ende 2027. Mehr unter lvkkwsachsen.de/projekt/careativ.

Thorsten Edelmann brachte die Perspektive eines Mannes mit, der als Angestellter, Selbstständiger und Vater erfahren hat, wie verschieden diese Rollen zusammenwirken – und was es bedeutet, Vereinbarkeit nicht als Frauenfrage zu behandeln, sondern als eine, die alle angeht.

Claudia Matthes – Mutter von drei Kindern, seit fast 18 Jahren selbstständig mit dem Brand Design Büro »Studio Kniften« – gab ehrliche Einblicke in einen Alltag, der selten reibungslos ist und gerade deshalb funktioniert.

Maria Nelz kam im Doppelpack: mit ihrer zehn Monate alten Tochter. Gelebte Vereinbarkeit, nicht als Konzept, sondern als Realität. Ihr Blick auf Klimagerechtigkeit, Bildungsarbeit und strukturelle Fragen gab dem Abend eine weitere Dimension.

Simone Rumpel, Mutter von drei Kindern und Medizinstudentin in Dresden, berichtete vom Jonglieren zwischen Studium, Familie und Engagement – und gab Einblicke in die Arbeit des Frauennetzwerks Kamenz.

Jan Eickhoff rundete die Runde ab: als Mitgründer der Baderei, Unternehmer und Vater, der die Herausforderungen zwischen kreativen Projekten, Betrieb und Elternschaft kennt.

Es gab viele ähnliche Erfahrungen – und auch echte Kontroversen. Spannend und beides notwendig.

Ins Gespräch kommen – und im Gespräch bleiben

Im Anschluss an die Spotlights gab es Raum für gemeinsame Diskussion. Drei Fragen standen im Mittelpunkt:

Welche Unterstützung hilft dir / euch besonders?
Was würdest du dir wünschen, damit Vereinbarkeit für alle besser funktioniert?
Was hilft im Alltag wirklich – und was funktioniert eher nicht?

Die Zeit war viel zu schnell rum. Alle waren sich einig: Das Thema ist nicht nur komplex – es ist dringend. Und die wichtigste Erkenntnis des Abends war vielleicht diese: Wir müssen ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben – alle miteinander. Nur so entsteht Verständnis für die jeweils andere Lebensrealität. Und nur so kann Vereinbarkeit gelingen – zur Zufriedenheit aller. Elternschaft muss als gesellschaftliche Verantwortung verstanden und mitgedacht werden. Kommunikation bleibt unerlässlich. Gegenseitige Unterstützung macht den Unterschied.

Ausklang unter der alten Eibe

Den Abschluss des Abends bildete das Beste, was ein Netzwerktreffen haben kann: Zeit. Bei Käseplatte und Wein, unter der alten Eibe in der Baderei, entstanden Gespräche ganz von selbst. Alte Bekanntschaften wurden aufgefrischt und neue geknüpft. Perspektiven und Gedanken geteilt und neue Ideen gesponnen. Genau dafür ist TAKATAK da.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei:

Anna Hasselbach und Jan Eickhoff von der Baderei Kamenz für die Gastfreundschaft, den Raum und die Offenheit,
Christina A. Schindler für die Idee, die Moderation und den Mut, das Format neu zu denken,
KREATIVES SACHSEN, dem wir sind dran : Verband und dem Frauennetzwerk Kamenz.
Henriette Braun für die Fotos sowie allen sieben Spotlights und allen Teilnehmenden, die den Abend mit ihrer Offenheit und Ehrlichkeit gefüllt haben.

📌 Noch bis Ende Juni bewerben: Business, Baby! begleitet Mütter auf dem Weg in die Selbstständigkeit – kostenlos, sechsmonatig, berufsbegleitend. Jetzt bewerben: businessbaby.impacthubdresden.net

Wir freuen uns schon auf TAKATAK #30 – am 2. Juli in Boxberg, am Bärwalder See. Ein kreativer Sommerabend mit 5 spannenden Kreativschaffenden, Stockbrot, Musik – und für alle, die möchten, Übernachtung. Bleibt gespannt – Informationen folgen!


Fotos: Henriette Braun

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit KREATIVES SACHSEN statt.